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Monitor Explosionsgewalt: 2011

螢幕快照 2015-10-09 10.20.57 AMZusammenfassung

IM JAHR 2011 HABEN ZIVILISTEN WEIT MEHR UNTER DEN FOLGEN VON EXPLOSIONSWAFFEN GELITTEN ALS BEWAFFNETE AKTEURE.

Die Mehrheit der Menschen, die 2011 laut Berichten durch Explosionswaffen getötet oder verletzt worden sind, waren Zivilisten. Das Datenmaterial wurde aus Nachrichtenmeldungen zusammengetragen, die über Vorfälle explosiver Gewalt berichten. Es zeigt, dass 2011 mindestens 21.499 Zivilisten durch Explosionswaffen getötet oder verletzt worden sind. Insgesamt waren 71 % aller Opfer von Explosionswaffen Zivilisten.
In Wohngebieten wurden mehr als 18.000 zivile Opfer erfasst. Von allen zivilen Opfern, die im Laufe des Jahres gezählt wurden, befanden sich 87 % in Wohngebieten. Von allen Opfern, die in Wohngebieten verzeichnet wurden, waren 84 % Zivilisten.

Das EVMP zählte weltweit 4.807 zivile Opfer bei 200 Vorfällen in Kultstätten, auf Märkten und öffentlichen Versammlungen. Vorfälle, die sich in bestimmten zivilen Gebieten ereigneten, in denen der Explosionswaffeneinsatz zu einem gewissen Grad stigmatisiert oder völkerrechtswidrig ist, wie etwa Angriffe auf Schulen, Krankenhäuser und humanitäre Einrichtungen, waren mit 58 erfassten Vorfällen weniger weit verbreitet.

FÜR ZIVILISTEN WAREN BESTIMMTE TYPEN VON EXPLOSIONSWAFFEN UND EINSATZARTEN BESONDERS GEFÄHRLICH.

Von allen aufgezeichneten Explosionswaffeneinsätzen in der EVMP-Datensammlung waren im Jahr 2011 USBVs für die Mehrheit aller erfassten zivilen Opfer explosiver Gewalt verantwortlich (61 %). Die Praxis, USBVs in Gebieten detonieren zu lassen, in denen sich besonders viele Zivilisten aufhalten, gibt Anlass zu besonderer Sorge und hatte schwerwiegende Folgen für Zivilisten. So wurden zum Beispiel drei Viertel aller Autobombenvorfälle in Wohngebieten gezählt. Diese Vorfälle hatten eine durchschnittliche Zahl ziviler Opfer zur Folge, die pro Vorfall annähernd zehnmal so groß war wie bei am Straßenrand platzierten Bomben, die oft dazu genutzt wurden, um ein einzelnes Fahrzeug anzugreifen.

An allen Einsatzorten lag der Anteil ziviler Opfer bei USBVs bei 76 %, ein Ausmaß, das vergleichbar ist mit dem Anteil ziviler Opfer von vielen industriell hergestellten Waffen, wie etwa Minenwerfern (90 %), Raketen (69 %) und Granaten (86 %).

79 % aller Vorfälle, bei denen hergestellte Explosionswaffen zum Einsatz kamen, waren bodengestützt, verglichen mit 20 %, die als luftgestützt identifiziert worden sind. Dies stellt sich dem Eindruck entgegen, wonach es sich beim Explosionswaffeneinsatz vornehmlich um großflächige Luftangriffe handelt, wie sie im Zweiten Weltkrieg oder dem Vietnamkrieg zu beobachten waren, und erfordert, die Aufmerksamkeit vermehrt auf den Einsatz bodengestützter Waffen in Wohngebieten zu lenken.

2011 hatten bestimmte Explosionswaffentypen beim Einsatz in Wohngebieten besonders gravierende Folgen für Zivilisten (gegenüber von bewaffneten Akteuren). Es hat sich herausgestellt, dass der Einsatz von Minenwerfern und anderen indirekten Feuerwaffen eine äußerst hohe Zahl an zivilen Opfer verursacht. 90 % aller Opfer, die bei Minenwerfer-Angriffen gezählt wurden, waren Zivilisten.

2011 TÖTETEN UND VERLETZTEN EXPLOSIONSWAFFEN ZIVILISTEN AN ZAHLREICHEN ORTEN UND IN ZAHLREICHEN UMGEBUNGEN.

Explosive Gewalt ist geografisch gesehen weitverbreitet, aber besonders intensiv in bestimmten Ländern und Konflikten. Während aus 68 Ländern und Territorien Vorfälle gemeldet wurden, gab es in 27 einen einzelnen erfassten Vorfall. Die durch das EVMP ermittelten fünf Länder mit der höchsten Zahl erfasster ziviler Opfer von explosiver Gewalt (Irak, Pakistan, Afghanistan, Libyen und Somalia), vereinen 71 % aller erfassten zivilen Opfer auf sich.

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Über explosive Gewalt ist in Kontexten nichtkonventioneller Kriegsführung berichtet worden. Ein Beispiel ist der Einsatz von Granaten durch nichtstaatliche Akteure, der 2011 aus 34 verschiedenen Ländern und Territorien gemeldet wurde.

Der Einsatz von Explosionswaffen durch einen Staat innerhalb seines eigenen Staatsgebiets und unter seinen eigenen Bürgern konnte in einigen Fällen beobachtet werden, etwa beim Bombardement von Städten in Syrien, Libyen und im Jemen. In diesen Ländern stellte die sprunghafte Zunahme an Häufigkeit und Intensität von Explosionswaffen-Einsätzen eine weitergehende Verschlechterung der Sicherheitslage dar und deutete hin auf einen Zusammenbruch des Verantwortungsverhältnisses zwischen Staat und seinen Bürgern, begleitet von einer humanitären Krise.