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Refugees and explosive violence

Neue Studie zeigt, dass 85% aller Flüchtlinge vor explosiven Gewalthandlungen fliehen

In der ersten Studie ihrer Art analysiert AOAV die Flüchtlingskrise aus der Perspektive von explosiven Gewalthandlungen.

Action on Armed Violence hat über 250 Asylsuchende in Großbritannien, Deutschland und Griechenland interviewt und festgestellt, dass 85% der befragten Personen explosive Gewalthandlungen miterlebt haben. 69% der Befragten gaben an, Bombardement ausgesetzt gewesen zu sein, weitere 61% waren Luftangriffen ausgesetzt, 58% haben Explosionen von unkonventionellen Brand- und Sprengvorrichtungen (UBSV) erlebt und 39% sahen Selbstmordattentate.

92% aller befragten afghanischen Flüchtlinge und 90% der Flüchtlinge aus dem Irak erzählten, explosiven Gewalthandlungen persönlich ausgesetzt gewesen zu sein.

Die Befunde stimmen mit AOAV’s vorherigen Recherchen überein. AOAV hat zwischen 2011 und 2016 233.949 Opfer von explosiven Gewalthandlungen registriert; 76% davon waren Zivilisten. Des Weiteren hat AOAVs Recherche ergeben, dass 92% aller verletzten oder getöteten Personen Zivilisten sind, wenn Explosivwaffen in dicht besiedelten Gebieten eingesetzt wird. Diese hohen Opferzahlen haben ihre Folgen – im gleichen Zeitraum haben in Europa 4 Millionen Menschen Asyl beantragt.

Obwohl die große Mehrheit der Flüchtlinge, die nach Europa kommen, vor explosiver Waffengewalt fliehen, erkennen europäische Regierungen diesen Zusammenhang nur langsam.

AOAV ist Teil des International Network of Explosive Violence dessen Arbeit darauf abzielt, Regierungen dazu zu bewegen sich politisch zu verpflichten, Explosivwaffen nicht mehr in städtischen Gebieten einzusetzen.

Die wichtigsten Befunde in „The Refugee Explosion

  • 85% der Flüchtlinge, die AOAV befragt hat, haben explosive Gewalthandlungen erlebt
  • 61% haben Luftangriffe erlebt, 69% Bombardement, 58% UBSV Explosionen und 39% Selbstmordattentate
  • 69% gaben an, dass sie selbst oder ein Familienmitglied Opfer explosiver Gewalthandlungen sind
  • 44% der befragten Flüchtlinge sagten, dass ihr Haus oder Apartment durch Explosivwaffen zerstört worden ist

 

  • Die Anzahl syrischer Flüchtlinge, die in Deutschland Asyl beantragen, ist von 2.634 im Jahr 2011 auf 266.250 in 2016 angestiegen. In der gleichen Zeitspanne stieg die Anzahl afghanischer Asylsuchender von 7.767 auf 127.012 und die Anzahl irakischer Asylsuchender von 5.831 auf 96.116.

 

  • 92% aller Iraker(-innen) und 100% aller Afghanen(-innen) die von AOAV in Deutschland befragt wurden haben erzählt, dass sie direkt explosiven Gewalthandlungen ausgesetzt waren.

 

  • Trotz starker explosiver Gewalthandlungen in Afghanistan haben nur 28% der afghanischen Asylsuchenden einen positiven Bescheid bekommen. Des Weiteren hat die Bundesregierung im Dezember 2016 damit begonnen, abgelehnte afghanische Asylbewerber nach Kabul abzuschieben.

 

  • Nur 20% aller befragten Flüchtlinge erklärten, dass Ihnen psychologische Hilfe angeboten wurde. Die europäischen Staaten waren unzureichend darauf vorbereitet, mit den außerordentlichen psychologischen Bedürfnissen von Asylsuchenden aus Kriegsgebieten umzugehen. PTBS und andere psychologische Probleme unter Flüchtlingen müssen schnellstmöglich als medizinisches Problem wahrgenommen und behandelt werden.

 

AOAVs Reaktion

Iain Overton, leitender Geschäftsführer von Action on Armed Violence, fügte dem Bericht hinzu, dass „unsere Befunde zeigen, dass die Flüchtlingskrise in Europa kategorisch durch Explosivwaffen verursacht worden ist, Staaten und Teile der Medien diesen Zusammenhang allerdings nur schwer erkennen. Vom Versagen einiger europäischer Staaten, Flüchtlingen ausreichende psychologische Hilfe anzubieten bis zu Kolumnisten welche Kriegsflüchtlinge und Wirtschaftsflüchtlinge zusammenwerfen; Explosivwaffen werden als Ursachen nicht wahrgenommen.

Deutschland hat der Welt bewiesen, dass Flüchtlingen systematisch geholfen werden kann, selbst in solch hohen Zahlen. Unglücklicherweise wird Deutschlands Großzügigkeit von kürzlichen Entwicklungen, wie dem Flüchtlingsabkommen mit der Türkei und den Abschiebungen nach Afghanistan, befleckt. Diese politischen Entscheidungen zeigen, dass selbst eine Willkommenskultur nicht vollständig ausreicht, um die gravierenden Auswirkungen von Explosivwaffen auf Zivilisten zu verarbeiten.“

 

ENDE

 

Anmerkungen

  • Action on Armed Violence (AOAV) ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in London, dessen Hauptaufgabe darin liegt, Recherchen und Aufklärungsarbeit durchzuführen, um weltweit die tödlichen Auswirkungen von Explosivwaffen zu reduzieren.
  • Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an Jennifer Dathan unter jdathan@aoav.org.uk oder unter +44 (0) 7786 837 927.
  • Von den insgesamt 259 individuellen Fragebögen wurden 102 in Deutschland, 106 in Griechenland und 51 in Großbritannien ausgefüllt
  • Von den 259 Flüchtlingen und Asylbewerber(innen), die von AOAV befragt wurden, kamen 128 aus Syrien, 60 aus Afghanistan, 31 aus dem Irak, 9 aus Nigeria, 8 aus Pakistan, 6 aus dem Iran, 2 aus Bangladesch, Sri Lanka, Eritrea und Ägypten und 1 aus dem Senegal, El Salvador, Serbien, Uganda, Indien, Palästina, Jemen, Mali und Marokko.

Der vollständige Bericht The Refugee Explosion kann hier gefunden werden. Einleitung und Methodik des Berichtes kann hier nachgelesen werden. Hauptbefunde finden Sie hier. Ein Überblick über explosive Gewalthandlungen und Flüchtlingszahlen kann hier nachgelesen werden, Asylgesetze hier und politische und wirtschaftliche Entwicklungen hier. Einzelstudien zu Deutschland, Großbritannien und Griechenland finden Sie hier bzw. Hier bzw. Hier. Bitte klicken Sie hier, um zu AOAV’s Schlussfolgerungen und Empfehlungen zu gelangen. Hier klicken, um einige von AOAVs Interviews mit Flüchtlingen zu lesen.